login to MyAPVGraz login   TU Graz
APV Graz

Aktivitäten 2000
Kurzexkursion
5. April 2000
Österreich

Österreichische Staatsdruckerei

Am 05.April 2000 wurde anlässlich einerzweitägigen Exkursion die Österreichische Staatsdruckerei besucht.
Für alle Daheimgebliebenen sei hier eineausführliche Zusammenfassung der Führung unter der ausgezeichneten Leitung vonFrau Kotrba, die uns auch dankenswerterweise einen Ausdruck ihres Vortrages zurVerfügung stellte, zu lesen.

DIE BRIEFMARKE
Die heutigeBriefmarke ist weit über ihren ursprünglichen, rein postalischen Zweckhinausgewachsen und hat mehrere Aufgaben zu erfüllen. Zum einen Teildient sie immer noch als Briefporto, doch viele Auflagen wandern fast zur Gänzein die Alben jener Sammler, denen die Philatelie zur liebstenFreizeitbeschäftigung geworden ist. Die kleinenbunten Bilder erfreuen aber nicht nur den Philatelisten, sondern legen auchZeugnis ab von bestehender und vergangener Kultur, indem sie Portraitsberühmter Menschen, Erfindungen oder auch welch immer geartete Leistungen einesLandes zeigen. DurchLandschaftsabbildungen, Gebäudedarstellungen udgl. erreicht die Briefmarke aberauch Werbewirksamkeit in fremden Ländern. Die kreativenEntwürfe vieler Markenausgaben spiegeln vielleicht auch das gegenwärtigeKunstempfinden eines Landes wieder, so dass viele Postwertzeichen zu kleinengraphischen Kunstwerken geworden sind.

Im Juni 1850"erblickte die erste österreichische Briefmarke das Licht der Welt".
Seit dieser Zeitist die Österreichische Staatsdruckerei GmbH mit der Briefmarke eng verbunden,druckte sie doch von der ersten Ausgabe an bis zu heutigen Tage fast alleösterreichischen Emissionen. Die Technikenhaben sich freilich stark gewandelt - vom einfachen Buchdruck bis hin zummehrfarbigen, kombinierten Rotationstiefdruck. Heute werden inder Österreichischen Staatsdruckerei GmbH Postwertzeichen in drei verschiedenenDruckverfahren erzeugt - ein kleiner Teil im Offsetdruck, alles übrige imRaster- und Stichtiefdruck bzw. in der Kombination dieser beiden Verfahren. Für die Herstellung der Rastertiefdruck-Marken stehen zwei Einfarben- und eine Vierfarben-Bogendruckmaschinezur Verfügung. Stichtiefdruckmarkenwerden auf der von der Fa. König & Bauer erbauten"Koebau-Giori"-Stahlstich-Druckmaschine hergestellt. Die gleicheMaschine übrigens, auf der auch die Oesterreichische Nationalbank sämtlicheösterreichischen Banknoten druckt. Eine großeErrungenschaft ist die im Jahre 1973 in Betrieb genommene kombinierteBriefmarken-Rotationsmaschine, die mit vier Rastertiefdruckwerken und einemStichtiefdruckwerk sowie einer Nummeriereinrichtung und einem Perforieraggregatausgerüstet ist. Heute druckt dieÖsterreichische Staatsdruckerei GmbH nicht nur sämtliche österreichischenPostwertzeichen, sondern auch viele Auflagen für ausländische Postverwaltungen.
Der Ruf derÖsterreichischen Staatsdruckerei GmbH auf dem Gebiet des Briefmarkendruckesgeht dank ihrer großartigen Künstler und der hervorragenden Druckqualität weitüber Österreichs Grenzen hinaus. Beweise dafür liefern viele Auszeichnungen undPrämiierungen von Markenausgaben, die in unserem Unternehmen hergestelltwurden.
Das"Non-plus-ultra" der Briefmarkenerzeugnisse der ÖsterreichischenStaatsdruckerei GmbH bilden zweifellos die berühmt gewordenen kombiniertenRaster-Stichtiefdruckmarken, deren Qualität von keinem anderen Land der Weltbis jetzt erreicht wurde.

RASTERTIEFDRUCK
Der Raster- oderRakel-Tiefdruck ist jenes Druckverfahren, bei dem Bild und Schrift - durcheinen Raster zerlegt - in einen Kupferzylinder tiefgeätzt werden. Die dünnflüssigeFarbe verbleibt nach Abrakelung des Zylinders ("Abschieben" der Farbevon der Zylinderoberfläche) in den vertieften Ätznäpfen und wird mit Hilfeeines Gummidrucktuches auf ein saugfähiges Papier gedruckt.

STICHTIEFDRUCK
DerAusgangspunkt bei Stichtiefdruck ist der von einem Künstler hergestellte Original-Stich. Die davon aufgalvanischem Wege erzeugte Nickelplatte wird mit einer sehr konsistenzreichenFarbe eingefärbt, danach wird die Oberfläche reingewischt. Die in denVertiefungen zurückgebliebene Druckfarbe wird mittels sehr starkem Druck zu Papiergebracht.

DER KUPFERSTICH
Der Kupferstichist das älteste Druckverfahren, dessen Anfänge bis in das 15. Jahrhundertzurückreichen, und das sich aus der Gravierkunst der Goldschmiede entwickelte. Man konntebisher nicht mit Sicherheit nachweisen, wann und wo die Anfänge desKupferstiches anzusetzen sind. Ein Blatt mitder Darstellung der Geißelung Christi ist mit der Jahreszahl 1446 datiert undgilt als eines der ersten Kupferstiche. Die bekanntestenalten Meister dieser Technik sind Martin Schongauer, Albrecht Altdorfer und vorallem Albrecht Dürer. Die Arbeit des Kupferstechers bedarf eines großen künstlerischen Könnens und handwerklicherGeschicklichkeit. Das zureproduzierende Bild wird zuerst gezeichnet, wobei die Wiedergabe durchunzählige Linien und Punkte erfolgt. Diese Linien wurden in früheren Zeitenmittels "Pause", heute meistens mit einem Pantographen auf eine feinpolierte Kupferplatte übertragen, wobei eine Art Vorzeichnung auf dieser Platteentsteht. Nun werden inmühevoller Kleinarbeit mit verschiedenen Sticheln und Graviernadeln die Linienund Punkte in die Platte eingraviert und anschließend der dabei entstandeneGrat mit einem Schaber entfernt. Das Bild ist nunin der Platte vertieft eingraviert, daher auch der Name "Tiefdruck" (zumUnterschied vom "Hochdruck", wie z.B. der Holzschnitt, wo diedruckenden Teile erhöht liegen). Die soentstandenen Vertiefungen werden nun mit Farbe gefüllt, und die Oberfläche mitTüchern saubergewischt, so dass nur in den gravierten Linien und Punkten Farbezurückbleibt. Unter sehrstarkem Druck wird dann die Farbe aus den Vertiefungen herausgehoben und zuPapier gebracht. Der dabei entstandene Plattenrand ist mitbestimmend für denWert des Stiches.

DRUCKVERFAHREN BEI BRIEFMARKEN IN DER ÖSTERREICHISCHEN STAATSDRUCKEREI GMBH
Die Österreichische Staatsdruckerei GmbH druckt hochqualitative Briefmarken imRaster- oder Stichtiefdruck oder in einer Kombination dieser beidenDruckverfahren sowie im Offsetdruckverfahren.

STICHTIEFDRUCK
Zunächst wird vondem in diagonal 7-facher Vergrößerung vorliegenden Originalentwurf eineKonturenzeichnung abgenommen. Diese wird seitenverkehrt auf eine Zinkschablonekopiert und tiefgeätzt. Auf demPantographen wird nun jede Linie auf eine mit einer säurewiderstandsfähigenSchutzschicht versehen Stahlplatte kopiert, und zwar in Original-Markengröße. Die so erhaltenePantographie wird nun von einem Briefmarken-Stecher bearbeitet, was vielGeduld, großes künstlerisches Einfühlungsvermögen und hohes handwerklichesKönnen erfordert. Nach Fertigstellung des Stiches werden hievon in einem speziellen Kunststoffmaterialmehrere Prägungen abgeformt, die mikroskopisch genau zu einer Platte mit 50oder 100 Marken zusammengestellt werden. Über den Umweg einer Kupfer-Hochplattewird dann die Tiefdruckplatte auf galvanischem Weg aus Nickel hergestellt. Diese Platte wird in die Druckmaschine eingespannt, mit Farbe von hoher Konsistenzeingefärbt, wobei diese in die Vertiefungen eingedrückt wird. Die Oberflächewird mit einem in der Laugenlösung laufenden Wischzylinder gereinigt, die Farbemittels sehr starkem Druck aus den Vertiefungen herausgehoben und zu Papiergebracht.

RASTERTIEFDRUCK
DerRastertiefdruck ist ein rein fotomechanisches Druckverfahren, bei dem Bild undSchrift in einen Raster zerlegt werden, der einerseits die Aufgabe hat, dieFarbe in den Vertiefungen zu halten und andererseits zur Führung der Rakel inder Druckmaschine dient. Da beimRastertiefdruck die Tonwertabstufung durch einen verschieden starken Farbfilmauf dem Papier zustande kommt, ist die Bildwiedergabe von hoher Qualität. Beim Druck vonBriefmarken in der Österreichischen Staatsdruckerei GmbH wird noch derkonventionelle, tiefenvariable Ätztiefdruck angewendet. Der Beginn einerTiefdruckzylinder-Herstellung ist ein densitometrisch genau gemessenesDiapositiv, das in seiner Gradationsabstufung weitgehend mit dem Originalübereinstimmen soll. BeimBriefmarkendruck wird das Diapositiv auf einer Additionsmaschine mit dergewünschten Nutzenzahl (50 oder 100 Marken) erstellt und anschließend auf einPigmentpapier kopiert. Das mit einerdünnen Gelatineschicht überzogene Pigmentpapier muss vor Gebrauch in einerKaliumchromatlösung lichtempfindlich gemacht werden. Nach dem Trocknungsprozesswird über den gesamten Bogen der Raster und anschließend das Bild kopiert. Anden durchsichtigen Stellen des Rasters und an den hellsten Partien desDiapositives wird nun die Gelatineschicht durch Lichteinwirkung gehärtet. Derfertig belichtete Pigmentpapierbogen wird anschließend auf einen Zylinderaufgequetscht und entwickelt. Das soentstandene, dem Gradationsverlauf des Bildes entsprechende Gelatine-Reliefbildet nun den Widerstand für die Ätzflüssigkeit und ätzt den Kupferzylinder indiverse Tiefen. Der fertiggeätzte Zylinder wird meist noch verchromt, um höheren Auflagen standzuhalten. Beim Druck wirdder Druckzylinder mit dünnflüssiger Farbe benetzt und mit dem Rakelmesserabgerakelt, so dass sie nur in den Rasternäpfchen zurückbleibt. MittelsGegendruckzylinder wird dann die Farbe aus den Näpfchen herausgeholt.

Die Herstellung einer Briefmarke
Der Auftraggeberfür die Herstellung einer Briefmarke in Österreich ist die Österreichische PostAG (in weiterer Folge kurz "Generalpostdirektion" genannt. Sie wählt den Anlass,Termin und die Künstler (Entwerfer und Stecher) aus. Der Entwerfermuss zunächst Vorschläge in Form von Skizzen vorlegen. Die ausgewählte Skizzewird dann von ihm in eine sogenannte "reproreife" Form gebrachtwerden, d.h. der Originalentwurf muss in exakt der siebenfachen diagonalenVergrößerung zur späteren Briefmarke mit allen Farbteilen gezeichnet werden. Von derGeneralpostdirektion wird dann dieser genehmigte Entwurf an die ÖSD gesendet,wo dann sofort mit den entsprechenden Arbeiten begonnen wird.
ÖsterreichischeMarken können in verschiedenen Druckverfahren hergestellt werden.
1) Rastertiefdruck
2) Stichtiefdruck
3) Kombinationsdruck(Raster- und Stichtiefdruck)
Der Offsetdruckkommt für heimische Briefmarken vor allem auch aus Sicherheitsgründen nicht zurAnwendung.

Die Arbeiten zurHerstellung der Wertzeichen beginnen im Wertzeichenatelier.

Hier wird
a) fürden Rastertiefdruck jede Farbe separiert herausgezeichnet bzw. werdenfotografische Auszüge hergestellt;
b) paralleldazu jeder einzelne Arbeitsschritt für den Stichtiefdruck vorbereitet.

Für den Stichtiefdruck wird zunächst eine Pausenzeichnung mit allen Konturen undwichtig erscheinenden Details auf einem Film angefertigt, anschließendseitenverkehrt auf eine Zinkplatte kopiert und tiefgeätzt. Mittels einesPantographen werden diese Konturen nun in Originalmarkengröße gebracht. Mannennt diese Arbeit „Pantographieren. Dazu wird zunächst die Zinkplatte mit Kreidestaub eingewischt, d.h. die Rillen damitgefüllt. Dann wird die Platte in den Pantographen eingespannt und mit einemTaststift die Rillen sorgfältig nachgezogen. Jede dieser Bewegungen überträgtsich durch Gelenke und Seilzüge auf den zweiten Arm, an dessen Ende einIndustriediamant die gleichen Linien in eine mit einer säurewiderstandsfähigenSchutzschicht versehenen Stahlplatte einritzt, allerdings bereits inOriginalmarkengröße.
Nun beginnt die schwierige, viel Kunst und Einfühlungsvermögen erfordernde Arbeit desMarkenstechers. Mit einem Spezialstichel bearbeitet er die angeritzten Konturen und muss dabei auchbeachten, dass die Tiefe und Breite der Rillen die Stärke der Farbe beeinflussen.
Zur Kontrolle seiner Arbeit fertigt er in den einzelnen "Phasen" sogenanntePhasendrucke an, auf denen er genau sehen kann, wie weit seine Arbeitfortgeschritten und das Erscheinungsbild des Stiches ist. Für die Anfertigung eines Markenstiches benötigt der Künstler durchschnittlich 200 Stunden. In derZwischenzeit wurde auch der Rastertiefdruck in seiner Vorbereitung abgeschlossenund gemeinsam mit dem Stich mehrere Zusammendrucke (Probedrucke - manchmal auchin unterschiedlichen Farbvarianten) angefertigt. Diese werden inMappen geklebt und der Generalpostdirektion zur Begutachtung und Auswahlübersendet. Erst wenn der Stichtiefdruck und der Probedruck genehmigt ist, kann mit der Produktion begonnen werden. Zunächst werdenvom Originalstich Abformungen angefertigt und in der erforderlichen Stückanzahlfür die Platte mit dem für die Perforation notwendigen Abstand zusammengeklebtund verschweißt. DieseAbformungen werden anschließend auf galvanischem Wege zurOriginal-Stichtiefdruckplatte gearbeitet.
Erst jetzt geht's in den Druck.

Der Rastertiefdruck erfolgt auf einer 4-Farben-Bogentiefdruckmaschine. Es könnenalso in einem Arbeitsgang bis zu 4 Farben gleichzeitig gedruckt werden. Solltenmehr als 4 Farben notwendig sein, so erfolgt ein 2. oder auch 3.Druckdurchgang.

Bei diesenDruckverfahren werden jene Stellen auf dem Druckzylinder, die Farbe enthaltensollen, fototechnisch übertragen und mit Eisenchlorid tiefgeätzt. DerDruckzylinder taucht in die Farbwanne ein und nimmt eine Unmenge Farbe auf. Einspezielles "Werkzeug" am Druckzylinder, das Rakelmesser, hat nun dieAufgabe, die überschüssige Farbe abzuschieben, so dass sie nur mehr in denVertiefungen bleibt und nun mit starkem Druck zu Papier gebracht wird. Wenn zum Rastertiefdruck auch noch der Stichtiefdruck kommen soll, so erfolgt dieser aufeiner speziellen Maschine, die nach dem Druck zusammen mit dem Markenbogen einbraunes Zwischenblatt auslegt. Dieses Zwischenblatt hat die Funktion, das"Abdrücken" der noch feuchten Farbe auf der Rückseite des nächstenBogens zu verhindern. Nach demvollständigen Trocknen der Farbe (nach ca. 36 - 48 Stunden) werden dieDruckbogen wieder händisch aus den Zwischenblättern entfernt. Ganz andersgestaltet sich die Produktion auf unserer Endlos-Rotationsmaschine. Hier wird - imGegensatz zum Bogendruck - von der Papierrolle weg gedruckt. Es sind auf dieserMaschine bis zu sieben Farben gleichzeitig (4 Farben Rastertiefdruck und 3Farben Stichtiefdruck) möglich. Aufgrund derhohen Leistungsfähigkeit werden hier die Marken der Dauerserie produziert. Die Papierbahndurchläuft die entsprechenden Farbwerke im Raster- und anschließend im Stichtiefdruck,wird anschließend sofort perforiert, nummeriert und mit dem entsprechendenDruckdatum versehen, getrocknet, längs- und quergeschnitten und somit infertigen Schalterbogen zu 5 Stück ausgelegt. Wenn der Druckbeendet ist, werden die Markenbogen in verschlossenen Gitterwagen("Rollis") zur Endfertigung gebracht. Dort werden dieBlätter beschnitten, zu einem 500 Bogen-Block geleimt, gezählt und dabei zujeweils 5 Bogen abgerissen und damit für die Perforiermaschinen vorbereitet. In denPerforiermaschinen wird hauptsächlich die sogenannte"Kammperforation" eingesetzt. Das Lochbild sieht wie ein breiter Kammaus. Ein Kamm unter den anderen gesetzt, ergibt die vollständig rundumperforierten Briefmarken. Seit einigerZeit ist eine halbautomatische Perforiermaschine im Einsatz, die wesentlicheErleichterungen und Zeitersparnis bringt: Die Markenbogen müssen nicht mehrgeleimt werden, sondern können lose von einer Mitarbeiterin in die Maschinegelegt werden. Der Rest (perforieren, ausklinken, ablegen und gleichstoßen)erfolgt nun automatisch.

Andere Perforierarten sind:
a) Linienperforation (wird selteneingesetzt, da die Bogen zweimal durch die Maschine laufen müssen)
b) Blockperforation(wird hauptsächlich bei Blockausgaben für 1, 6, 12 etc. Marken verwendet, wobei die Perforation nicht bis an den Blattrand reicht.)

Zwischen den einzelnen Arbeitsgängen werden die Bogen immer wieder kontrollgezählt. Dies isteine Sicherheitsmaßnahme, auch um im Falle des Fehlens eines Bogens denSuchbereich besser eingrenzen zu können. Die Bogen werdenzu 500 Stück abgeteilt, 2 x mit je einer Ecke in die Zählmaschine gelegt undmit einer automatischen Klemme festgehalten. Nun wird Luft indie Bogenecken geblasen, damit der Fühler der Maschine die einzelnen Papiereregistrieren und damit zählen kann. Wenn nun aberz.B. zwei Markenbogen zusammenkleben oder einer davon eventuell umgeschlagenist, so kann die Maschine dies nicht erkennen und meldet ein Fehlergebnis. In diesem Fallewerden auch die beiden übrigen Ecken gezählt. Sollte dasErgebnis auch hier noch nicht stimmen, so werden die Bogen mit der Hand durchAuffächern der Papierränder gezählt.
Wenn sämtliche Briefmarkenbogen von der Produktion her fertiggestellt sind, werden sie in derRevision auf Fehler überprüft. JederEinzelbogen wird mehrmals auf der Vorder- und Rückseite genauestenskontrolliert. Fehler, die bisher aus irgendeinem Grunde nicht zu bemerkenwaren, werden hier gefunden, die vollständigen Blätter ausgesondert und die fürin Ordnung befundenen Bogen zur Verpackung gegeben. Die zu lieferndeAuflage wird nochmals gezählt, kreuzweise eingeschleift und in Taschen miteiner abgeschnittenen Ecke verpackt. Diese offeneEcke hat den Zweck, dass die darin enthalten sein sollende Menge noch vor demÖffnen der Tasche kontrolliert werden kann. Sollte wider Erwarten die Anzahlnicht stimmen, so muss die Tasche ungeöffnet an die ÖSD retourniert werden. Alle Bogen, dieüber die bestellte Auflage hinaus noch vorhanden sind - ob in Ordnung oder Makulatur -, werden im Beisein von Bediensteten des hauseigenen Kontroll- und Aufsichtsdienstes sowie Beamten des Staatlichen Kontrolldienstes(zusammengesetzt aus Mitarbeitern der bestellenden Ministerien) in einerShredderanlage auf ca. 8 mm breite Streifen zerschnitten und somit völligunbrauchbar gemacht. DiePapierabfälle werden gesammelt und an eine Papierfabrik zur Wiederverwertung weitergeleitet. Nun werden diefertigen Markenbogen in genau der bestellten Menge an die Postzeugverwaltung im 21. Wiener Gemeindebezirk geliefert. Damit ist fürdie ÖSD der entsprechende Druckauftrag abgeschlossen.

KUNDENLISTE (BRIEFMARKENDRUCK) DER ÖSTERREICHISCHEN STAATSDRUCKEREI
Afghanistan, Albanien, Algerien, Äthiopien, Barbados, Burundi,Ceylon, Congo, Costa , Rica, Dominikanische Republik, Ecuador, Guatemala,Guinea, Haiti, Honduras, Indonesien, Irak, Island, Jordanien, Jugoslawien, KapVerdische Inseln, Kolumbien, Kuwait, Libanon, Libyen, Liechtenstein, Luxemburg,Malediven, Malta, Marokko, Nepal, Nicaragua, Oman, Paraguay, Peru, Portugal,Qatar, Ras Al Khaima, Ruanda,
San Marino, Senegal, Taiwan, Trinidad& Tobago, Trucial States Ajman, Tunesien, Türkei, Tuva (Republik), Ukraine,Umm al Qiwain, Upper Yafa, Vatikan,
Vereinte Nationen, Yemen, Zaire

Michael Schoiswohl, April 2000




Offsetdruckerei Strohal

Durch den Zusammenschluss von der Firma„Strohal Rotationsdruck GmbH“ mit der Druckerei „Kraft-Schlötels GmbH,Deutschland“ ist einer der stärksten und leistungsfähigstenRollenoffset-Druckverbund Europas entstanden. Durch perfekt elektronischeOnline-Produktabstimmung der Partner ist eine hohe Ausfallssicherheit durchdoppelten Maschinenpark gesichert. Die Strohal Rotationsdruck GmbH mit StandortMüllendorf beschäftigt 130 Mitarbeiter in einem Dreischichtbetrieb, dessenJahresumsatz 700 Millionen Schilling beträgt. Es werden 50.000 Tonnen Papierpro Jahr mit Flächengewichten zwischen 25 und 220 Gramm pro Quadratmeterverarbeitet - 60 % gehen in den Export (davon 80 % in die BRD).
Das Druckzentrum Müllendorf ist das Zentrumhöchster Produktivität für Telefonbücher, Zeitschriften und Directorys inhöchster Qualität.
· moderner Maschinenpark für mehr Farben– Zeitungsrollenoffsetdruck
· Schnittkantendruck und Registerschnitt
· Endverarbeitung in der Nachbarschaft (Firma Frauenberger)
· Produktionsablauf ISO 9002 zertifiziert
· Mulimedia, – und CD Rom – Produktionen durch Partnerunternehmungen

In der Druckvorstufe werden alle Unterlagenvon Kunden bearbeiten: entweder werden die Originalbilder eingescannt, oder dieDaten werden auf elektronischer Basis mittels ISDN Datentransfer übernommen. In der durch ein Computerprogrammgesteuerten Kopiermaschine werden die Druckplatte und die Filme (vierübereinander) eingelegt, und in Folge wird die Druckplatte belichtet.

Der Maschinenpark besteht aus einer 16Seiten MAN Polyman 2000 und zwei 48 Seiten MAN Lithoman IV Druckmaschinen. ImZuge der Weiterverarbeitung findet man noch:
· Sammelhefter mit zehn Stationen
· Einsteckmaschine
· Postkartenklebemaschine
· INK Jet Adressieranlage
· Planschneidemaschine
· verschiedenste Falzmaschinen

Technische Daten:
1.) 16 Seiten MAN Polyman 2000: Zylinderumfang:630 mm MaximaleBahnbreite: 960 mm VerarbeitbaresPapier: 25 – 220 g
2.) 48 Seiten MAN Lithoman IV: Zylinderumfang:1.240 mm MaximaleBahnbreite: 1.460 mm VerarbeitbaresPapier: 25 – 135 g

Alle Maschinen verfügen über:
· vierfarben Druckwerk
· Trockenstrecke
· fliegender Plattenwechsel fürAdresseindrucke
· automatischer Plattenwechsel ideal fürKataloge
· Stangenauslage für Katalogproduktion
· Rubbeln, Duftdruck, Gummieren,Perforieren, Stanzen – Inline in einem Arbeitsgang
· verschiedene Formate von A5 – A3 undmehrere Sonderformate.

Gerald Lösch, April 2000



Buchbinderei Frauenberger Müllendorf
Zur Frauenberger- Gruppe gehören vier österreichischeUnternehmen mit 400 Mitarbeitern, die im Jahr 50000 Tonnen Papier zu 80Millionen Bücher und Broschüren verarbeiten. Wir besuchten den Standort Müllendorf (naheEisenstadt), welcher sich wieder in Müllendorf 1 und Müllendorf 2 gliedert,wobei in Müllendorf 2 die bereits fertig gebundenen Bücher und Kataloge etc.nach Bedarf mit Registerschnitten versehen werden. Müllendorf1 (90 Mitarbeiter), ist der Standort für Bindung und Veredelung vonTelefonbüchern (alle österreichischen Telefonbücher werden hier gebunden) undKatalogen in Großauflage. Durch die Nähe zur Rollenoffsetdruckerei Strohal(wenige hundert Meter), erweist sich infrastrukturell betrachtet der Standortals optimal, da die frisch gedruckten Exemplare nach kurzer Transportzeit in der Buchbinderei eintreffen. DieAnlieferung erfolgt auf Paletten in Stapelform. Das Binden erfolgt auf Maschinen von MÜLLER MARTINI,auf Klebebindestraßen für Heiß- und Kaltleim. Weitere in-line Komponenten ermöglichenEinzeleinschweißen, Etikettieren, einstecken von Beilagen und Paketherstellen. Weiters gibt es eine logistikgestütztePostleitzahlen- und Routenzusammenstellung mit voradressiertenKatalogumschlägen. Der Transport erfolgt via dem angeschlossenenBahnnetz oder LKW.

Markus Krenn, April 2000


Ortmann
Die SCA („Svenska Cellulosa Aktiebolaget“)beschäftigt in mehr als 40 Ländern über 34.100 Mitarbeitern und gehört zu dengrößten Waldbesitzern Europas. Die Produktionspalette der SCA umfaßtHygienepapiere, Verpackungspapiere sowie graphische Papiere. Die 3 Hauptunternehmensteile der SCA-Gruppesind somit:
· Hygiene Products:
· Packaging
· Forrest Products

Werk Ortmann:
Das Werk liegt im Piestingtal inNiederösterreich. An diesem Standort sind ca. 660 Mitarbeiter beschäftigt. Es werden rd. 110.000 jato Hygienepapiereerzeugt:
· 80% Toilettenpapier
· 15% Servietten
· 5% Taschentücher

Handelsübliche Namen der Produkte: weiters COSY, FEH, ...

Firmengeschichte - Werk Ortmann:
1854 Am Anfang steht eine Schwertfabrik imPiestingtal
1866 Ignaz Ortmann erwirbt die Fabrik, gründet eineKunstwollfabrik und gibt dem Betrieb den Namen
1917 Beginn der Papiererzeugung in Ortmann
1961 Inbetriebnahme der erstenEinfilz-Hygienepapiermaschine mit der ersten modernenAltpapieraufbereitungsanlage
1985 Inbetriebnahme des Hochregallagers
1988 Mehrheitliche Übernahme durch SCA
1992 Anlauf der PM4, der breitestenTissue-Maschine der Welt

Organisationsstruktur - Werk Ortmann:
· TOPA-Fabrik: (Toilettenpapier)
- AP-Aufbereitung
- PM4
- Röllchenabteilung
- Materialverwaltung
· Servietten-Fabrik:
- Stoffaufbereitung
- PM9
- Falzabteilung
- Product Service
· Project & Service:
- Technische Planung
- Werkstätten
- Energieversorgung
- Abwasser- und Abfallwirtschaft

TechnischeDaten zur PM4:
Maschinengeschwindigkeit: 1830 m/min
Arbeitsbreite: 7010mm
Stoffauflauf-Konsistenz: 0,5 .. 0,8 %

TechnischeDaten zur PM9:
Maschinengeschwindigkeit: 1450 m/min
Arbeitsbreite: 3450mm
Stoffauflauf-Konsistenz: 0,3 .. 0,4 %

Abwasserwirtschaft:
Die SCA Hygiene Products, Werk Ortmann, istMitglied des Abwasserverbandes oberes Piestingtal. Die biologische Kläranlage ist für rund74.000 Einwohnergleichwerte ausgelegt. Von den umliegenden Gemeinden fallen ca.1500-2000 m³/Tag an, von der Papierfabrik ca. 10-11.000 m³/Tag.

Energieversorgung:
Die Energieversorgungszentrale wurde 1997in Betrieb genommen. Kernstück der Anlage sind 2 Gasturbinen, die 70 GWh/aliefern. Der Mehrbedarf wird von der EVN bezogen.

Wir erhielten im SCA-Werk Ortmann einensehr umfassenden Einblick in die Herstellung von Hygienepapieren. Wir danken für die kompetenten Vorträge unddie Führung durch das Werk sowie für die Übernachtung und das gemeinsameAbendessen.

Mario Wiltsche, April 2000

 


 
© 2001-2017 APV Graz      Impressum    Suche  
webdesign by Christoph Knauer