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APV Graz

Aktivitäten 2005
APV Abend Dr. Dieter Radner
2. März 2005

Erfahrungsbericht aus den USA

An diesem Mittwoch lud der APV zu einem Abend der besonderen Art ein.

Herr Dr. Dieter Radner, Geschäftsführer von Sappi Gratkorn hielt einen Vortrag über den Konzern und berichtete explizit über die Lage der US- Amerikanischen Papierindustrie.


Zusammengefasst lässt sich folgendes berichten:

Sappi- Weltmarktführender in hf gestrichenen Papieren besitzt weltweit 15 Werke mit einer Gesamtproduktionsmenge von 3,36 Millionen tpa, wobei jenes in Gratkorn mit 880 000 tpa das Werk mit der höchsten Kapazität ist. Sieben weitere Werke befinden sich in Europa, 4 in den USA und die restlichen 3 in Südafrika.

Im Werk Gratkorn, welches auf eine 400 jährige Geschichte zurück blicken kann, werden derzeit rund 1400 Mitarbeiter beschäftigt. Der Umsatz beträgt rund 700 Millionen €, was immerhin 1/7 des Konzernumsatzes ist.


Die Situation der US-Amerikanischen Papierindustrie:

In den 80er Jahren war die US- Amerikanische Papierindustrie klarer in Führung was Produktionsvolumen, Gewinn und Know How betrifft. Dies änderte sich jedoch stark in den letzen Jahren. Dies spiegelt sich in folgenden Zahlen wider.
Alleine in den Jahren 1999-2001 wurden 200 Papiermaschinen geschlossen- wobei im Gegenzug aber nur 20 neue PM installiert wurden. Mit diesen Schließungen verlor der amerikanische Papiermarkt nicht weniger als 9 Millionen Tonnen an Produktionskapazität. Der Umstand, dass in Amerika ein höherer Faserstoffanteil im Papier ist, hat zur Folge, dass damit auch der Preis pro Tonne Papier teurer ist.

Zusätzlich viel in den Jahren 1997- 2003 der Marktpreis von holzfreiem Papier um ganze 40% von 1300€/t auf 800€/t. Erschwerend kommt noch hinzu, dass die Importmenge von hf gestrichenem Papier von 400 ktpa auf 1200ktpa stieg.

Auch die Personalkosten und Personalqualität unterscheiden sich dramatisch gegenüber Europa. Während in Gratkorn ein durchschnittlicher Mitarbeiter rund 60.000€/Jahr kostet, muss in Amerika für einen durchschnittlichen Mitarbeiter, der meistens auch schlechter ausgebildet ist zwischen 90. - 100.000 €/Jahr bezahlt werden.

Kommunikationsprobleme zwischen Arbeiter und Angestellten haben zur Folge, dass die Effizienz der Arbeit geringer ist als beispielsweise in Europa.

Generell gilt in Amerika, dass Gehaltsforderungen nicht nach erbrachter Leistung beurteilt werden, sondern laut Vertrag geregelt sind.Für diese Verträge sind die verschiedenen Gewerkschaften verantwortlich, die nur schwer von ihrem alten System zu lösen sind. Ein großes Problem ist auch, dass Beförderungen nicht nach erbrachter Leistung beurteilt werden, sondern es gilt, je älter man wird, desto höher steigt man auch in der Position. Dies hat zur Folge, dass junge Mitarbeiter nur schwer zu motiviert sind.

Das Resume des Vortrages ist, dass in den USA derzeit nur wenig in neue Maschinen und Anlagen investiert wird. Das Resultat sind immer schlechter und älter werdende Anlagen, die auf keinen Fall den Ansprüchen der heutigen Zeit entsprechen. Auf kurze oder lange Sicht muss sich die amerikanische Papierindustrie etwas einfallen lassen, ansonsten ergeht es ihnen gleich wie der Stahl und Textilindustrie.

 



Autor: Jürgen Paulitsch


 
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